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« aber wenn man zu viel zeit auf reisen verwendet, so wird man zuletzt fremd im eigenen lande. »
(rene descartes)

 

 

reisetagebuch woche 4 [24.04.2006-30.04.2006]

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tag 22 [24.04.2006] - curarrehue, "altar de piedra"

das wetter sollte wieder schlechter werden. trotzdem fuhren wir weiter bis nach  curarrehue (oder auf mapuche "kurarewe"). curarrehue bedeutet "altar aus stein" und liegt etwa 40 km von pucón entfernt unterhalb des " paso mamuil malal". es ging die ganze zeit leicht bergauf. aber so, dass man die steigung gleichmässig bezwingen konnte. in den nächsten tagen wollen wir über den pass nach argentinien gehen. heute hatten wir übrigens das erste mal hier überhaupt rückenwind. so kamen wir schnell vorwärts.

in curarrehue ist nicht viel los. es ist eben eine kleine mapuche-siedlung. es ist nur ein ort auf dem weg nach argentinien. das einzige was hier wohl regelmässig besuch wird, ist die tankstelle. wir haben ein kleines hospedaje gefunden, welches wohl nicht sehr rege besucht wird. typischerweise war es in schlechtem zustand. im ganzen dorf gab es kein restaurant. nur eine art imbiss bei der tankstelle. also gingen wir dahin. der "jefe" sass zu uns und begann mit uns zu reden. er fragte woher wir kommen und wohin wir gehen wollen. es fragte uns über die schweiz aus. dann erzählte er über curarrehue und zeigte uns einen selbstgemachten touristenfilm, den wohl zuvor noch nicht viele menschen sehen durften. trotzdem war es interessant. wären wir normale touristen gewesen, ohne fahrrad, dann wären wir auch hier bestimmt nicht ganz so locker ins gespräch gekommen.

 

- 40 km -

tag 23 [25.04.2006] - puesco im nationalpark villarica

eigentlich wollten wir heute morgen früh raus, um vielleicht heute schon auf den pass zu kommen. um 7.30 regnete es immernoch. wir haben uns noch eine stunde hingelegen und sind dann zum frühstück runter. der hostal-"jefe" don mario sass zu uns und erzählte uns auch einiges. dann meinte er, wir sollen doch auch noch so nett sein und einen eintrag ins gästebuch schreiben. wir lasen die einträge darin. leute aus aller welt waren schon hier. lustig war nur, dass der letzte gast vor uns, ein deutscher, schon vor über einem monat da gewesen war. es schien also nicht gerade eine goldgrube zu sein. das frühstück war aber, entgegen meiner erwartung, sehr gut und reichlich. nicht nur die üblichen scheiben toast. natürlich haben wir dann einen eintrag ins gästebuch geschrieben.

danach sind wir losgefahren. es war bereits spät, so gegen 11 uhr. gerade am ende des dorfes hörte die asfaltierte strasse auf und wurde zur offroad piste. nach etwa 7 km bemerkte christian einen platten reifen an seinem anhänger. wir waren bei der reparatur schon schneller, als noch beim ersten mal. nach etwa 3 weiteren kilometern, bemerkte christian, dass er wohl während der reparatur einen teil der befestigungskonstruktion der lenkertasche verloren hatte. er fuhr zurück und kam nach einer weile wieder. dann musste er nochmals zurück, weil er den helm vergessen hatte. es war wohl nicht sein tag. dies alles kostete uns fast zwei stunden. so war es schon nach 15 uhr als am wegrand ein cabnañas auftauchte. wir blieben diese nacht dort. wir waren inmitten des nationalparks villarica.

 

- 21 km -

tag 24 [26.04.2006] - andenüberquerung am "el paso mamuil malal" / junin de los andes

heute sind wir früh aufgebrochen. so gegen 9 uhr bereits. das ziel heute war den paso mamuil malal zu überqueren und nach argentinien zu gelangen. wir hatten nochmals etwa 800 höhenmeter auf " ripio" zu bewältigen. manchmal waren steigungen dabei von ungefähr 15%. das ist mit gepäck ganz schön hart und geht richtig in die beine.

3 stunden später waren wir dann ungefähr auf der höhe und die piste wurde flacher. der weg führte entlang dem "lago malal" durch den " nationalpark villarica". wir machten mittagspause. nach der zweiten banane kamen zwei andere radreisende um die ecke und hielten an um zu reden. sie war schweizerin aus chur und er war deutscher aus bayern. zusammen wollten sie von buenos aires bis nach nordamerika gelangen. ob sie es wohl geschafft haben?

nach ein paar minuten fuhren wir dann weiter um die zahlreichen kurven um den see. eine wirklich schöne gegend hier. überall sind wieder die so bekannten bäume, die "araukanien", zu sehen. die sehen teilweise fast so skuril aus, wie übergrosse bonsai.

einige kilometer weiter kam dann der chilenische grenzposten. es gab kein problem und die abfertigung ging schnell. danach folgten ca. 1 km niemandsland. danach kam der argentinische grenzposten. auch hier kein problem und schnelle abfertigung. endlich war es getan. wir sind in argentinien. ein neues land gilt es nun zu entdecken. was auch begann, war der schöne " nationalpark lanin" um den grossen "vulkan lanin". eine wirklich schöne gegend hier. perfekt für radreisende.

die strasse ging zwar bergab, aber langsam. so kamen wir doch recht lange gut vorwärts. nur der wind bliess stark und der weg war schlecht. wir konnten nicht zu schnell fahren, denn wir mussten jeden fleck der strasse zuerst nach schlaglöchern mit den augen absuchen. ein schlagloch kann das ende einer reise bedeuten. die vegetation änderte sich rapide. es wurde immer trockener und immer weniger bäume umgaben uns. dann endete der nationalpark und die piste endete auf einer asfaltierten strasse. die strasse ging aber weiter leicht bergab und der wind bliess nun in den rücken. so kamen wir enorm gut vorwärts. teilweise sind wir 60 bis 70 km/h gefahren. dann sahen wir schon von weitem wieder zwei radreisende. es waren zwei belgier. nach einem kurzen gespräch und dem obligaten gruppenfoto ging es dann aber weiter, denn wir hatten noch viele kilometer zu bewältigen. die strasse begann rauf und runter zu gehen. die beine wurden müde. ich auch. gegen ende dieser etappe bin ich selbst auf gerader strecke nur noch im ersten gang gefahren. mehr war nicht drin. um 17.30 kamen wir dann endlich in " junin de los andes" an, wo wir in einem hostal übernachteten.

 

- 92 km -











tag 25 [27.04.2006] - san martin de los andes

in dieser nacht hatte ich etwa 11 stunden geschlafen. doch es reichte nicht. ich war ziemlich erschöpft. es war die art erschöpfung, die ich sonst von den folgetagen der mountainbike-marathons kenne. ich musste mich echt überreden aufzustehen. wir beschlossen bis " san martin de los andes" weiterzufahren. die strasse war zum glück fast flach und wir kamen einigermassen vorwärts. wir sahen unterwegs den vulkan lanin wieder. ein fast 4000m hoher koloss, der von jeder seite her über grosse distanzen sichtbar ist. es ist sein revier.

je näher wir san martin kamen, desto grüner wurde es wieder. um ca. 15.30 kamen wir dort an. san martin ist das gegenstück zum chilenischen pucón. während aber in pucón hauptsächlich internationale gäste anzutreffen sind, gibt es in san martin viele chilenen und argentinier. es ist hier eben günstiger. aber nicht minder schön. san martin liegt am wunderschönen see "lago lacar". den rest des tages nutzten wir uns auszuruhen, zu kochen und argentinischen wein zu trinken.

 

- 45 km -

 







tag 26 [28.04.2006] - ruhetag in san martin de los andes

den heutigen tag machten wir zum wohlverdienten ruhetag. es war ein netter ort, der durchaus zum verweilen einlud. nur eine gefahr bestand: sich zu lange in einer der "chocolaterias" oder "heladerias" aufzuhalten. überall wurde die selbstgemachte schokolade und das speiseeis verkauft. ein paar mussten wir dann doch ausprobieren. am abend haben wir wieder gekocht und uns für den nächsten tag vorbereitet.

tag 27 [29.04.2006] - nationalpark "nahuel huapi", lago falkner

um etwa 12.00 uhr haben wir unser cabaña verlassen und sind richtig " cerro chapelco". dies ist ein berg, an welchem hier im winter auch wintersport ausgeübt werden kann. die strasse führte entlang dem see "lago lacar" und stieg allmählich an. sie brachte uns schliesslich 600 meter höher. die höhenmeter waren aber gut zu bewältigen, da die strasse gut war und die steigung gleichmässig. nach rund 23 kilometern sind wir oben am pass angekommen und haben ein kurze pause eingelegt. wirklich eine schöne region. es war herbt geworden, denn die blätter des waldes strahlten in allen farben. wie aus einem bilderbuch.

dann führte die strasse etwas bergab, vorbei an "lago machonico", "laguna fria" und "lago hermoso". nach 50 kilometern kamen wir beim "lago falkner" an, wo es eine grosse wiese gab, auf welcher man sogar offiziell zelten durfte. dort haben wir unser zelt aufgeschlagen. an diesem tag haben wir rund 3 argentinier angetroffen, die mit uns das gespräch suchten. die leute scheinen sehr nett und offen zu sein. vorallem auch interessiert an anderen menschen. an fremden. gegen abend fuhren die vielen touristen, die den tag hier verbrachten langsam mit dem auto davon. am schluss waren wir alleine. diese region gehört bereits zum " nationalpark nahuel huapi", einer der grössten argentiniens. der zeltplatz hier war so ziemlich der beste überhaupt.

 

- 50 km -






tag 28 [30.04.2006] - nationalpark "nahuel huapi", lago espejo

als wir am morgen aufgestanden sind, war es wirklich kalt. der boden war gefroren, wie auch das zelt und das wasser in unseren flaschen. ein richtiger herbstmorgen eben. nur etwas kälter als bei uns in der schweiz. es war halt auch in den bergen.

etwa 3 kilometer später waren wir schon in "pitschi traful". der ort an dem die asfaltierte strasse auf eine piste wechselt. anfangs war die piste noch einigermassen in ordnung. sie begann schnell ein sich immer wiederholendes spiel von rauf und runter zu liefern. ausserdem gab es auch hier viele schlaglöcher und wellblechartige erhebungen auf der strasse. dies machte diesen tag, auch wenn nur wenige kilometer, zu einem höllenritt. jedoch wurden wir mit dem anblick eines schönen nationalpark belohnt, der hier seinesgleichen sucht. einer der argentinier vom vortag sagte dei strasse sei "mortal" (mörderisch). er hatte recht. nach 42 kilometern bewegten sich die beine nicht mehr. wir mussten halten und haben dann gleich am kleinen see "lago espejo" unser zelt aufgestellt. auch wieder ein sehr schöner platz zum zelten. wir waren zirka 24 kilometer vor " villa la angostura". in der nacht sind wir von einem tierischen, sich nähernden geräusch geweckt worden. das tier, was immer es war, machte einen riesenlärm und zog direkt vor unserem zelt durch. es klang nach einem bären oder elch. was es war wissen wir bis heute nicht.

 

- 42 km -

 
     
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